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Die Geschichte von engcon – und einer rentablen Investition

Das Unternehmen engcon wurde 1990 gegründet. Doch eigentlich beginnt die engcon-Story jedoch schon fünf Jahre früher, als ein Erfinder von der schwedischen Insel Orust versuchte, ein Unternehmen für die Produktion rotierender und sich neigender Baggeraggregate zu finden.

Seine erste Arbeit nahm der aus Strömsund stammende Stig Engström beim Unternehmen Noreco auf. Das für die Zellstoffindustrie tätige Serviceunternehmen Noreco war in Umeå ansässig. Da Stig Engström ein vielseitig interessierter und begabter Mensch ist, war er sowohl mit Fragen der Konstruktion, Produktion und Marktfragen betraut. Als der Erfinder Ulf Holmdahl bei Noreco an die Tür klopfte, hatte er sich bereits bei den verschiedensten Herstellern dafür eingesetzt, die Produktion seines patentierten, sich drehenden und kippenden Schnellwechslers in Gang zu bringen. Stig Engström kommt es heute so vor, als sei alles erst gestern passiert. Tatsächlich datiert dieses Aha-Erlebnis auf den 15. September 1985 zurück. Stig Engström erkannte das Potenzial.

Noreco begann mit der Herstellung dieser sich drehenden Komponente mit dem Namen Rototilt. Das Gerät erlaubte eine gleichzeitige unendliche Dreh- und Schrägstellungsfunktion. Schließlich nahm die Produktion Fahrt auf: Noreco lieferte insgesamt mehr als 150 Aggregate aus.

„Das Gerät hatte noch mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen. Unter anspruchsvollen Bedingungen konnte es schon mal ausfallen und die Zahl der Beschwerden häufte sich“, erinnert sich Stig Engström. Zudem hatte das Unternehmen auch aus anderen Gründen Sorgen. Der wirtschaftliche Spielraum Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre war äußerst eng bemessen.

engcon erblickt das Licht der Welt

1990 bot Stig Engström an, das Unternehmen zu übernehmen, um Rototilt weiterzuentwickeln. Das Timing war jedoch denkbar ungünstig und der Noreco-Eigentümer wollte mit seinem Unternehmen auf eigene Faust weitermachen. Stig Engström kündigte und zog zurück in seine Heimat nach Strömsund, wo ihn seine Idee aber einfach nicht mehr losließ. Er wollte sie unbedingt vorantreiben und engcon wurde gegründet. Noreco ging nur wenige Jahre später in Konkurs.

„Ich habe Ideen wie ein Schwamm aufgesogen und wollte sie weiterentwickeln. Mein Bruder Ulf wurde stiller Teilhaber, arbeitete aber weiterhin im familieneigenen Transportunternehmen. Die Mängel des Rototilts waren mir wohlbekannt. Daher habe ich mich mit Herz und Seele der Verbesserung des Produkts verschrieben“, so Stig Engström weiter. Er fügt hinzu: „Einfach war es nicht.“

Es war sogar noch schwieriger als vermutet, genau die gewünschte Funktionsweise zu erzielen. Als ein Problembereich erwies sich die Hydraulik. Stig Engström stellte sich eine mechanisch-elektrische Drehlösung vor. Sollte das funktionieren, wäre dies nicht nur eine preiswerte, sondern auch eine einfache Lösung. Doch es klappte nicht. Nach einigem Hin und Her kehrte er zur ursprünglichen Hydrauliklösung zurück, die auch heute noch Verwendung findet.

„Zu Beginn der 1990er Jahre war die Situation angespannt. Zunächst einmal sollte das Produkt entwickelt werden. Einnahmen hatten wir jedoch dafür noch keine. Meine persönlichen Schulden wuchsen förmlich in den Himmel“, so Stig Engström im Rückblick. „Zwei Jahre lang verfügte ich über keinerlei Einkommen. Im September 1992 benötigte ich dringend Geld und begann daher, für ein Unternehmen in Dorotea zu arbeiten.“

Kurze Zeit nach Aufnahme dieser Tätigkeit erkannte Stig Engström, dass es für ihn dort keine Zukunft gab. Seine Arbeitsaufgaben beschränkten sich im Wesentlichen darauf, Mitarbeiterzahlen zu reduzieren. Weihnachten 1992 erwachte in ihm sein langgehegter Traum vom engcon-Projekt zu neuem Leben. Neue Kontakte wurden geknüpft und 1993 begann der Konstrukteur Kjell Högberg, ein einstiger Noreco-Kollege, bei engcon zu arbeiten.

„Kjell Högberg entwickelte die bis heute geltende Lösung und der EC20 ging in die Produktion.“ Am Anfang interessierten sich nur wenige dafür. Der Verkauf lief sehr schleppend. „Das Produkt hatte sich noch nicht bewährt und der Prototyp arbeitete noch unzuverlässig. Doch wir waren gezwungen, den Verkauf anzukurbeln“, erläutert Stig Engström die damalige Situation.

Verzögerte Lieferzeiten

Stig Engström beherzigt bis heute einige eiserne engcon-Grundsätze: Die Endkunden sind allesentscheidend, einer internationalen Expansion darf nichts im Wege stehen und ein Großteil der Produktion muss in Lohnfertigung erfolgen. Als Stig Engström mit der Vermarktung des neuen EC20 begann, beauftragte er seine Mutter und andere mit dem Versand eines Direct Mailings an 10000 potenzielle Kunden. Daraufhin erhielt er von 50 eine Antwort. Gekauft wurde das Gerät dann lediglich von 5.

„Am Anfang war das mit der Liefersicherheit so eine Sache“, gibt Stig Engström zu. „Einige Kunden hatten das Nachsehen, während sich andere nicht länger gedulden wollten und an die Konkurrenz wandten, die Norecos Konkursmasse aufgekauft hatten“, erinnert sich Stig Engström. Ein paar entwickelten sich jedoch zu echten Fans unserer Lösung. Der erste, der einen Tiltrotator erwarb, war Harry Persson, der auf darauf bestand, seine Rechnung bereits 1993 zu erhalten. Die Lieferung war auf Anfang 1994 festgesetzt worden. Diesem Wunsch entsprachen wir nur zu gern.

Wie der Zufall es wollte, kümmerte sich Harry Perssons Frau um die wirtschaftlichen Belange und bezahlte versehentlich im Voraus. Dieses Geld wurde zur Fertigstellung des Tiltrotators verwendet. Im Januar interessierte sich Degerberga Grus och Schakt ebenfalls für ein Exemplar. Harry Persson wollte sich jedoch weiter bis zum Frühling und zur Baggersaison gedulden und so bekam (und bezahlte) dieser Kunde das eigentlich für Harry Persson bestimmte Aggregat. Im Nachhinein können wir über die Erinnerung an das gleich zweifach verkaufte Gerät nur schmunzeln. Harry Persson aber fühlt sich dadurch maßgeblich am engcon-Erfolg beteiligt, und zwar ganz zu Recht.

Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen lediglich zwei Mitarbeiter: Stig Engström und Jocke Markusson. Im Herbst 1993 begann Monica Engström mit ihrer Tätigkeit für engcon, 1994 stieß Håkan Wiik dazu. Die Arbeitsteilung war eindeutig geregelt. Håkan Wiik war für den Verkauf zuständig, Stig Engström und Jocke Markusson feilten und schraubten in der Garage herum. Monica Engström kümmerte sich um die Zahlen des Miniunternehmens.

„Während dieser Zeit agierten wir nur auf Grundlage ungefährer Lieferzeiten. Manchmal waren unsere Liefertermine flexibler als erlaubt. Mit der Wahrheit nahmen wir es dabei nicht immer ganz genau. Zu unserer Verteidigung müssen wir jedoch sagen, dass wir so gute Produkte wie möglich lieferten und unseren Kunden direkt und unverzüglich eine schnelle Problemlösung anboten. Das liegt uns heute wie damals sehr am Herzen.

Nimm den Plunder vom Hof!

Am Anfang lockten zwei begeisterte engcon-Händler an der schwedischen Westküste Stig Engström zu einer Tiltrotator-Präsentation auf einen großen Bauernhof außerhalb von Åsa (Halland). Der Bauer, damals so um die 50, beobachtete mit großem Interesse, wie das Gerät mit dem Bagger verbunden wird. Plötzlich tauchte ein alter Mann auf, der sich erkundigte, was vor sich ging und wer da zu Besuch war. Der Bauer versuchte, das Geschehen seinem alten Vater zu erklären. Dieser antwortete daraufhin: „Nimm den Plunder vom Hof!“ Und so geschah es dann auch.

„Es war klar wie Kloßbrühe, wer auf diesem Hof das Sagen hatte“, amüsiert sich Stig Engström bis heute über diese Anekdote. „Damals erschien uns die Situation geradezu surreal. Doch im Nachhinein haben wir noch viele Male darüber gelacht.“

Im Ausland waren Tiltrotatoren noch weniger bekannt als in Schweden. Das erfuhr Stig Engström nicht zuletzt auf der Bauma, die 1995 vor den Toren Münchens stattfand. Bei dieser Messe handelt es sich um ein gigantisches Ereignis und Stig Engström wusste damals genau, was er wollte: nämlich an der nächsten Bauma 1998 teilnehmen. Also beschloss er, im November 1997 für engcon einen Platz auf dieser im darauffolgenden Mai stattfindenden Messe einen Stand zu buchen. Seiner Meinung nach genau rechtzeitig, um noch einen guten Standort zu bekommen. Doch der Messemitarbeiter klärte ihn daraufhin unverzüglich darüber auf, dass es dafür schon etwas spät wäre.

„Spät dran? Ich dachte, ich bin überpünktlich.“ Worauf ihm der Messemitarbeiter mitteilte, dass die Anmeldefrist bereits im November des Vorjahres abgelaufen sei. Schließlich setzte er doch noch alle Hebel in Bewegung und man bot ihm einen Platz am Osteingang an, unweit des Caterpillar-Stands. „Manchmal muss man einfach Glück haben“, so Stig Engström. „Wir haben den Platz mit Kusshand genommen und buchen ihn immer wieder aufs Neue.“

An einer solchen Messe mit einem stark begrenzten Budget teilzunehmen, ist auch ein besonderes Erlebnis. Das erste Mal wurde kurzerhand ein Zelt ausgeliehen, alles zusammen mit Werbematerialen und einem Tiltrotator in Stig Engströms Audi 100 verladen. Damit alles hineinpasste, sägte Stig Engström überdies noch die Zeltbeine ab und los ging's. Die Bauma wurde ein legendärer Erfolg. Die Tiltrotator-Präsentationen mit einem ausgeliehenen Bagger und einem blau-gelben Löffel entwickelten sich zu einem echten Publikumsmagneten. engcon gelangte sogar auf das Cover von Fachzeitschriften für Bauunternehmer, die von dieser Messe berichteten.

Steil nach oben

1993 beschäftigte engcon 3,5 Mitarbeiter. Der Umsatz lag bei 600000 SEK. Bereits 1999 war die Personaldecke auf ein Dutzend Mitarbeiter angewachsen und es ging weiter bergauf. 2008 waren bereits rund 100 Mitarbeiter bei engcon angestellt und das Unternehmen erzielte einen Umsatz von 535 Mio. SEK. Trotz des schrumpfenden Umsatzes während der Rezession 2009 wurde engcon von der schwedischen Wirtschaftszeitung Dagens Industri zum „Marathon-Gazellenunternehmen“ des Jahres gekürt. Heute stehen wir Herausforderungen gegenüber, die nicht weniger kompliziert sind. Der Internationalisierungsgedanke erfordert eine Reihe reiflicher Überlegungen.

„Bei uns in Schweden gehört der Auftrag dem Bauunternehmer (Baggerfahrer), während in Großbritannien und Deutschland Verantwortung und Anreiz beim finanziellen Entscheider liegen. Der schwierige Teil der Aufgabe besteht also darin, diesen begreiflich zu machen, dass sich die Gewinne in einer gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit ausdrücken und erst langfristig auszahlen. „Die Vermittlung dieser Botschaft erfordert eine plausible und klare Argumentation“, so Stig Engström.

Die Arbeit an engcons internationaler Ausrichtung schreitet weiterhin unablässig voran. Die Krise, die sowohl das Unternehmen als auch die Außenwelt erfasst hat, scheint sich nur als vorübergehendes Phänomen abzuzeichnen. Jetzt kommt es darauf an, die Entwicklung im richtigen Tempo voranzutreiben.

„Dabei bewährt es sich, eine gewisse Dickköpfigkeit an den Tag zu legen, an seine Ziele zu glauben und davon keinen Zentimeter abzurücken. Sich einen positiven Blick zu bewahren und auch mal den einen oder anderen Rückschlag abschütteln zu können, hilft dabei, schließlich und letztendlich doch zum Ziel gelangen. Jedenfalls hat sich diese Taktik bei mir immer ausgezahlt.“

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